Der Bäcker, der Metzger, der Tankwart, alle kennen uns mit Namen
Wir wohnen in nem Markt mit knapp dreitausend Einwohnern in der Oberpfalz und ehrlich, das Schlimmste am Landleben für mich is nich dass es klein is sondern dass ich dauernd erkannt werd. Der Bäcker grüßt mich mitm Vornamen, die Metzgerin weiß welche Wurst mein Mann gern hat, der Tankwart fragt nachm Hund. Ich find das eigentlich schön, das hat was sehr Menschliches, aber für unser anderes Leben is es ne Katastrophe. Letztes Wochenende waren wir in Nürnberg in nem Club. Auf der Heimfahrt morgens haben wir aufm Rastplatz Halt gemacht weil ich pinkeln musste. Wer steht da am Kaffeeautomat? Der Sohn vom Metzger aus unserm Ort. Hat uns gesehn, hat gegrüßt, hat gefragt was wir so früh unterwegs machen. Ich hab irgendwas mit Geburtstag bei Cousin gestottert. Mein Mann hat danach erst zwei Kilometer später wieder geatmet im Auto. Diese Momente machen mich fertig. Wie geht man damit um wenn die Anonymität die wir alle in der Stadt selbstverständlich finden, einfach nich existiert wo wir leben? Wir können nich umziehn, Familie und Job sind hier verwurzelt.