Evangelischer Pfarrer in der EKHN — wir sind in der Szene und ich kann mit niemandem reden
Schwerer Brief. Ich bin Pfarrer in einer Gemeinde der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau, seit 14 Jahren im Dienst, verheiratet, zwei Kinder. Meine Frau und ich sind seit etwa fünf Jahren in der Szene aktiv, ganz vorsichtig, immer außerhalb Hessens, immer privat. Es ist für uns wichtig geworden für unsere Ehe, eine Art geteiltes Geheimnis das uns als Paar gestärkt hat. Theologisch habe ich für mich Frieden gefunden — wir verletzen niemanden, wir lieben einander, wir leben ehrlich. Aber ich habe niemand mit dem ich darüber sprechen kann. Bei den Kollegen würde es sofort bekannt. Bei meinen Konfirmanden-Eltern wäre es das Ende meiner Pfarrstelle. Selbst Therapeuten im kirchlichen Kontext könnten unbewusst Konsequenzen ziehen. Gibt es hier andere kirchliche Hauptamtliche die mit dieser Spannung leben? Wie sortiert ihr das innerlich? Manchmal fühle ich mich als Heuchler an der Kanzel und manchmal denke ich, gerade dass ich das Doppelte ertrage macht mich zu einem besseren Seelsorger der die Schatten der Menschen versteht. Ich babbele zu viel, sorry.